Am Tag des offenen Denkmals besuchte ich die ehemalige IBM-Hauptverwaltung Deutschland – auch als Eiermann-Campus bekannt – in Stuttgart. Als Teilnehmer einer Führung über das Areal und durch Teile der insgesamt vier Pavillons war ich gespannt, wie die seit 2009 leer stehenden Gebäude aussehen und ob es Pläne für die künftige Nutzung gibt.

Selbst als Stuttgarter kennt man die denkmalgeschützten Gebäude zumeist nur aus Zeitungsberichten oder vom Vorbeifahren am Autobahnkreuz Stuttgart. Betritt man jetzt das weitläufige Gelände sieht man, wie sich die Natur das Gelände rund um die ehemalige IBM-Hauptverwaltung Deutschlands zurückerobert. Das asiatisch anmutende Design der Gebäude tritt dabei mehr und mehr in den Hintergrund.

Gebaeude von Kammerer Belz

Im Inneren der Gebäude war ich positiv überrascht. In den Gebäudeteilen, die am Tag des offenen Denkmals besichtigt werden konnten, zeigt sich die Qualität der beim Bau und bei Umbauten verwendeten Materialien – auch nach der längeren Zeit des Leerstands und getreu des Mottos von Egon Eiermann.

Aber sehen Sie selbst:

Innenhof Eiermann Campus

Dieser Innenhof wurde erst Anfang der 2000er umgebaut.

Bild eines Besprechungszimmers mit Glastür

Ein Blick in ein Besprechungszimmer. Es scheint nur auf neue Mitarbeiter zu warten.

Leeres Grossraumbuero

Ein für die Gebäude typisches Großraumbüro mit Blick nach draußen.

Teekueche in einem Gebäude der ehemaligen IBM Hauptverwaltung

Und eine kurze Kaffeepause könnte man hier einlegen.

„… Die Zahl, meine Freunde, ist ziemlich gleichgültig, es ist viel wichtiger, von der Qualität zu sprechen. Die Qualität ist das Einzige, worauf es ankommt. Das Detail in seiner Qualität ist das einzig Noble, was wir überhaupt kennen. Menge zu machen ist kein Problem. Qualität zu machen, ist das einzige Problem überhaupt. …“
Egon Eiermann beim Richtfest des Gebäudes

Offene Decke

Die Bauweise der Gebäude ist auf dem Foto der geöffneten Decke gut zu erkennen. Es handelt sich um eine Stahlrahmenkonstruktion.

Bilder vom Eiermann Campus

Auf diesem Bild sieht man gut das weiße Gestänge – hier aus gekantetem Stahl – das die umlaufenden Balkone begrenzt. Für die Fenster und die Holzverkleidung wurde edles Teakholz verwendet.

Treppe in der Kantine des Eiermann Campus

An den Treppengeländern, (hier in der Kantine) zeigen sich die detaillierte Planung und der Anspruch an das Design, das auch nach mehr als 40 Jahren modern wirkt. Am Ende der Tour über und durch den Eiermann Campus bleibt eine Frage:

Wie sieht die Zukunft aus?

2015 erwarb die Gerchgroup das ehemalige IBM-Areal. Der Projektentwickler hat einen Ideenwettbewerb ausgerufen, an dem 15 Architekturbüros teilnehmen. Entstehen soll ein Konzept, dass den Erhalt der Eiermann-Gebäude, aber auch neue Gebäude vorsieht. Dies alles soll dann unter dem Namen Garden Campus realisiert werden. Am 24.09.2016 werden fünf Sieger gekürt, deren Ideen im Rahmen eines städtebaulichen Gutachterverfahrens weiter ausgearbeitet werden, sodass im Dezember 2016 ein Siegerentwurf feststehen soll. Auf der Projektwebsite www.garden-campus.de kann man die weitere Entwicklung verfolgen.

Update 29.11.2016: Der Ideenwettbewerb ist entschieden. Das Konzept des Architekturbüros Steidle und der Landschaftsarchitekten Realgrün hat gewonnen.

Zahlen, Daten, Fakten

Planung der ersten drei Pavillons: Büro Egon Eiermann
Planungsbeginn: 01.02.1967
Baubeginn: 14.10.1968
Richtfest: 24.04.1970
Bezug: 23.03.72
Erweiterung: 4. Pavillon 1983/84 Planung durch das Büro Kammerer und Belz, Stuttgart

Auszeichnungen:
1974 Hugo-Häring-Preis
1975 Paul-Bonatz-Preis der Stadt Stuttgart

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