In Zeiten steigender Grundstücks- und Immobilienpreise in deutschen Großstädten stellen sich immer mehr Menschen die Frage, ob sie sich den Traum vom Eigenheim oder der Eigentumswohnung in der Großstadt oder doch eher auf dem Land erfüllen können. Dieser Beitrag soll Ihnen weiterhelfen sich über Ihre eigenen Wünsche an den Standort Ihres Hauses bewusst zu werden. Ich greife dabei auf meine Erfahrungen aus Bauprojekten in der Stadt sowie auf dem Land und die Rückmeldungen meiner Kunden zurück.

Was spricht für das Bauen und Leben auf dem Land?

Ein wichtiger Vorteil für alle potenziellen Bauherren und künftigen Eigenheimbesitzer sind die günstigeren Grundstücks- und Immobilienpreise. Persönliche Wünsche wie eine größere Wohnfläche, ein eigener Garten oder eine Werkstatt können daher gut erfüllt werden. Sind große Freiflächen zum Nachbargrundstück vorhanden, können auch Hobbys wie z. B. Schlagzeug spielen ausgeübt werden. Der persönliche Kontakt zu den Nachbarn ist ein weiteres wichtiges Argument für einen Umzug aufs Land. Der Erfolg der Zeitschrift Landlust, die sich der Sehnsucht nach dem echten Landleben widmet, zeigt, dass das tägliche Erleben der Natur ein weiterer Grund sein kann, das Land der Stadt vorzuziehen.

Reh auf der Wiese.

Und was sind die Nachteile des Landlebens?

Aus Architektensicht gibt es keine fachlichen Gründe, die gegen den Hausbau auf dem Land sprechen. Die Argumente, die dagegen sprechen, liegen eher im persönlichen Bereich. Da ist u. a. der Zeitverlust zu nennen, sollte man lange Strecken zum Arbeitsplatz zurücklegen müssen. Dieser entsteht z. B. durch Staus, da viele „ins Grüne“ ziehen, aber in der Stadt arbeiten. Dazu kommen die Fahrtkosten für Auto und/oder öffentlichen Nahverkehr. Auch müssen für Einkäufe längere Wege zurückgelegt und die Kinder möglicherweise für Sport- und Freizeitangebote in Nachbarorte gefahren und wieder abgeholt werden. Dies macht oftmals die Anschaffung eines Zweitwagens unumgänglich. Kulturelle Angebote wie Kinos, Theater, Ausstellungen usw. können nur durch eine längere Anfahrt erreicht werden. Gerade bei letzterem Argument sollte aber abgewogen werden wie oft man diese Angebote wirklich regelmäßig nutzt.

Was sind Argumente für die Großstadt?

Überzeugte Großstädter loben die gute Infrastruktur mit öffentlichem Nahverkehr, vielfältige Freizeitangebote sowie die kurzen Wege zu Geschäften und zu Ärzten. Außerdem sprechen aus ihrer Sicht das größere Jobangebot und die vielfältigen Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung für die Stadt. Gerade das – im Gegensatz zum Landleben – anonymere Wohnen wird ebenfalls als Argument für das Stadtleben verwendet.

Enge Bebauung in der Stadt Heidelberg

Der Flächenverbrauch pro Person ist in der Stadt nicht mehr so hoch, da ein Neubau zumeist anstelle eines Altbaus errichtet wird. Dieser Vorteil wird aber durch die hohen Grundstückspreise kompensiert. Wird ein modernes Ein- oder Mehrfamilienhaus als Stadthaus, Mauer an Mauer gebaut, weist dies eine gute Energiebilanz aus, da weniger Außenfläche gedämmt werden muss.

Und der Mangel an Wohnraum macht erfinderisch. So entstehen neue Konzepte, um z. B. mit Geschossaufstockungen neuen Wohnraum zu schaffen. Und für alle, die den Wunsch nach einem eigenen Gemüsegarten haben, gibt es mittlerweile in vielen Großstädten das Angebot eines Mietbeets in den städtischen Außenbezirken. Dieses wird flexibel für eine Saison angemietet, vom Anbieter mit Obst- und Gemüsepflanzen vorbepflanzt und benötigt pro Woche nicht mehr als zwei Stunden Pflegeaufwand.

Reife Möhre vor der Ernte

Was spricht gegen die Großstadt?

 Gegen einen Bau in der Stadt sprechen die hohen Kosten für den Wohnraum. Ein großzügiges Eigenheim ist aufgrund der Preise für ein Baugrundstück oftmals nur zu einem hohen Geldbetrag erreichbar. Die hohen Grundstückspreise machen dann die effiziente Ausnutzung des kompletten Grundstücks notwendig. Auch die Baustelleneinrichtung (Kran, Straßen- und Gehwegabsperrungen, …) und der Bau des Hauses sind im eng bebauten Stadtgebiet deutlich schwieriger und damit auch teurer. Gleichzeitig ist das Angebot an bezahlbaren Häusern und Wohnungen auch aufgrund der hohen Nachfrage in Großstädten begrenzt.

Blick in den Talkessel von Stuttgart

Neben der Kostenseite spricht für manche potenzielle Bauherren auch die stark verdichtete Bebauung gegen die Großstadt. Man hat in seinem direkten Umfeld viele Nachbarn und bekommt möglicherweise doch mehr von deren Leben mit, als einem lieb ist. Zu bedenken ist auch, dass im Sommer die vielen Gebäude und Straßen einer Großstadt die Sommerhitze speichern und sie in der Nacht wieder an die Umgebung abgeben. Als letzte Argumente gegen ein Bauprojekt in der Stadt sind die Lärm- und die Abgasbelastung zu nennen.

Diese Fragen können Ihnen weiterhelfen sich für ein Leben in der Großstadt oder auf dem Land zu entscheiden:

  • Habe ich bereits längere Zeit auf dem Land oder in einer großen Stadt gelebt und habe ich mich dort wohlgefühlt?
  • In was für einer Lebenssituation befinde ich mich? (Single, Familie mit Kindern, Senior/in,…)
  • Wo kann ich mit meinen persönlichen finanziellen Mitteln zu Eigentum kommen?
  • Wo leben die Menschen, die mir wichtig sind?
  • Wie verbringe ich meine Freizeit? Besuche ich häufig Kino, Oper oder Theater?
  • Mache ich gerne Sport in der Natur oder reichen mir auch Stadtpark und/oder Fitnessstudio?

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