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Bild eines Dachstuhls aus Stahlträgern: Titelbild zum Beitrag "Verändert sich die Architektur durch Corona?"

Verändert sich die Architektur durch die Pandemie?

Der Architekt Norman Foster ging in 2020 davon aus, dass die Corona Pandemie langfristig zu keiner grundlegenden Veränderung in den Städten führen wird, Themen wie nachhaltiges Bauen und nachhaltige Gebäude in der Architektur aber verstärkt an Bedeutung gewinnen (siehe Jahresrückblick 2020). Mittlerweile dauert die Pandemie bald zwei Jahre an, Zeit für ein Zwischenfazit.

Dass sich das Wohnen durch die Pandemie bereits verändert hat, ist unbestritten. Sie können dies auch in meinem Blogbeitrag Wie sich durch Corona unser Blick auf das Wohnen verändert, lesen.

Doch hat sich durch Corona die Architektur verändert?

Und wenn ja, was verändert sich in der Architektur durch die Pandemie?

Durch die Corona Pandemie kam es – auch aufgrund einer hohen weltweiten Nachfrage – in Deutschland zu einem Preisanstieg bei Baustoffen und zu Lieferengpässen bei Baumaterialien. Kurzfristig verändert dies noch nicht die Architekturentwürfe, sondern bringt die Kosten- und Zeitplanung in der Bauausführung durcheinander.

Langfristig können diese Preiserhöhungen und Lieferengpässe aber dazu führen, dass vermehrt ein Augenmerk auf andere verfügbare und bezahlbare Baustoffe oder auch auf recycelte Baustoffe gerichtet wird. Das ressourcenschonende Verwenden und das Recycling von Baustoffen entsprechen dem Grundgedanken, nachhaltig zu planen und zu bauen. Ein Ziel, das nicht nur laut Norman Foster weiter an Relevanz gewinnen wird.

Veränderungen bei Bürogebäuden

Bei Bürogebäuden sieht man erste Veränderungen in der Ausgestaltung laufender Projekte.

Viele Bürogebäude waren oder sind in Pandemiezeiten nicht voll besetzt. Doch um eine sichere Rückkehr der Mitarbeiter zu ermöglichen und möglichen künftigen Pandemien vorzugreifen, verändert sich für diese hochfrequentierten Gebäude die Planung.

In diesen Tagen gibt es Nachrichten, dass Bürogebäude im Innenausbau auf Pandemien ausgerichtet werden und/oder dass man Lüftungs- und Klimaanlagen mit speziellen Filtern ausstattet, die Coronaviren herausfiltern. Auch werden Räume multifunktional gedacht und die Raumgestaltung wird flexibler. Nachhaltig und pandemieresistent, das sind bei diesen Projekten die entscheidenden Argumente, um Kunden zu halten oder um neue Mietinteressenten vom Objekt zu überzeugen.

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Veränderungen im Wohnbau

Einfamilienhaus / kleinere Mehrfamilienhäuser

Bei Einfamilienhäusern und kleineren Mehrfamilienhäusern gilt, dass Interessenten und Bauherren einen besonderen Fokus auf den Grundriss richten. Gefragt sind jetzt Grundrisse mit Platz – auch für ein Home Office – und Rückzugsmöglichkeiten für alle Bewohner. Auch ein Balkon, eine Terrasse oder ein Garten liegen bei den Wünschen ganz vorne.

Große Wohnanlagen

Der Grundriss ist auch in den Wohnungen großer Wohnanlagen ausschlaggebend. Doch dazu kommt, dass hier in den Fluren, Aufzügen und Gemeinschaftsräumen deutlich mehr Menschen aufeinandertreffen. So werden in großen Wohnanlagen z. B. die Aufzüge in Pandemiezeiten nachträglich mit Luftdesinfektionsanlagen ausgestattet, um den Bewohnern mehr Sicherheit zu geben.

In großen Wohnanlagen gilt aber auch: Äußere Einflüsse verändern eher langfristig die Architektur. Dies liegt daran, dass Planung, Genehmigung und Umsetzung eines Bauvorhabens viel Zeit benötigen. Kurzfristige und grundlegende Umgestaltungen an Bauprojekten sind zwar machbar, lösen aber viele weitere Änderungen aus, sind zeitintensiv und verursachen hohe Kosten.

Gibt es auch Veränderung in den Städten?

In der Pandemie wurden Städte ganz anders genutzt, dies zeigen Analysen. Menschen entdeckten Plätze und Parks als Erholungsorte oder als Räume, um Sport zu machen, zu spielen und um sich auf Abstand zu treffen. Haupteinkaufsstraßen waren aufgrund geschlossener Läden auf einmal leer. Pop-up Radwege entstanden und wurden gerne genutzt. Bei vielen Menschen entstand ein neues Bewusstsein für den Lebensraum Stadt aber auch dafür, wo dessen Grenzen liegen. Nicht ohne Grund sind in Pandemiezeiten viele Menschen von der Stadt aufs Land gezogen.

Blick auf Stuttgart

Zwischenfazit

Es zeigt sich bislang, dass es wenig coronabedingte Veränderungen bei der Planung von Einfamilienhäusern oder kleineren Mehrfamilienhäusern gibt. Anders sieht es bei großen Wohnanlagen oder Bürogebäuden aus, in denen tagtäglich viele Menschen ein und aus gehen und aufeinandertreffen. Hier werden im Bestand Nachrüstungen und im Neubau Planungsänderungen insbesondere für den Innenausbau vorgenommen.

Ob und wie sich Städte aufgrund der Pandemie verändern, wird sich in einigen Jahren zeigen, denn grundlegende Änderungen benötigen Zeit.

Corona dient – wie von Norman Foster vorhergesehen – als Beschleuniger bereits vorhandener Entwicklungen, nicht nur, aber eben auch in der Architektur.

Vera Eisenbraun

Hier bloggt Vera Eisenbraun, Online Marketing Fachfrau, Betriebswirtin & Blogverantwortliche hier. Meine Blogthemen sind Architektur und Digitale Medien.

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