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Wasser sparen im Neubau: So geht’s mit einer Grauwasseranlage

Wasser sparen im Neubau: So geht’s mit einer Grauwasseranlage

Wie können wir in unserem Neubau Wasser sparen? Diese Frage bewegt viele Bauherren. In diesem Blogbeitrag schauen wir uns daher näher an, wie man gering verschmutztes Abwasser aus Dusche oder Waschbecken mit einer Grauwasseranlage wieder nutzbar machen kann.

In Deutschland sind wir es gewöhnt, dass aus dem Wasserhahn, Brausekopf und im Toilettenspülkasten immer Wasser fließt und es sich dabei sogar um Trinkwasser handelt (ja, sogar das Wasser im Toilettenspülkasten ist prinzipiell Trinkwasser). Wir verwenden es täglich in Küche und Bad, doch stehen uns Menschen nur 0,3 % der weltweiten Wasservorräte überhaupt als Trinkwasser zur Verfügung.

Jeden Tag erzeugen wir beim Duschen oder Hände waschen aus diesem Trinkwasser viele Liter Grauwasser, also wenig verschmutztes Abwasser. Außerdem entsteht in jedem Haushalt Schwarzwasser (das mit Fäkalien verschmutzte Abwasser aus der Toilette).

Ohne eine Grauwasseranlage fließt das Grauwasser ebenso wie das Schwarzwasser in den Abwasserkanal und von dort in die Kläranlage.

Abhängig vom Wetter fällt auch Regenwasser an. Dieses versickert z. B. im Garten oder auch in einer unterirdischen Zisterne, kann aber auch in den Abwasserkanal oder die Grauwasseranlage fließen.

Bei einem Neubau ist es für Bauherren daher eine interessante Überlegung: Möchte ich das wenig verschmutzte Grauwasser mit einer eigenen Grauwasseranlage aufbereiten und noch einmal verwenden? Das dabei entstehende sogenannte Betriebswasser können die Bauherren dann problemlos für die Toilettenspülung verwenden, damit Wäsche waschen oder den Garten gießen. Zum Trinken, Kochen oder Zähneputzen ist es allerdings nicht geeignet.

Aber wie funktioniert eine Grauwasseranlage, was muss man beim Neubau beachten und wie steht es um die Kosten für eine solche Anlage?

So funktioniert eine Grauwasseranlage

Ist eine Grauwasseranlage installiert, so arbeitet diese – vereinfacht gesagt – wie ein Mini-Klärwerk. Zumeist besteht eine Grauwasseranlage aus zwei Stufen.

In einem ersten Schritt wird das gesammelte Grauwasser grob gefiltert und in einem Tank gesammelt. Die im Wasser enthaltenen Schwebstoffe setzen sich am Boden ab. Mikroorganismen zersetzen die im Wasser enthaltenen organischen Stoffe wie z. B. Hautschuppen oder Seife.

Über einen Überlauf fließt dann das Wasser durch einen sehr feinen Membranfilter in einen weiteren Tank, zumeist den Betriebswassertank. Bei der Filtration werden auch möglicherweise im Wasser enthaltene Bakterien und Viren entfernt. Je nach Art der Anlage wird das Wasser alternativ mit UV-Licht desinfiziert.

Das aufbereitete Wasser, jetzt Betriebswasser genannt, verbleibt im Betriebswassertank, um dann bei Bedarf in Waschmaschine oder Toilettenspülkasten verwendet zu werden.

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Was muss man bei der Planung des Neubaus beachten?

Für Waschbecken, Dusche oder den Abfluss der Waschmaschine benötigt man separate Abwasserleitungen. Diese führen das Grauwasser direkt zur Grauwasseranlage in den Keller. Ist das Grauwasser gesäubert, wird das Wasser dann durch separate Rohre z. B. zurück in den Toilettenkasten gepumpt. Dieses zweite Leitungsnetz muss bereits vor Baubeginn eingeplant werden. Eine spätere Nachrüstung ist schwierig.

Welche Kosten entstehen für eine Grauwasseranlage?

Der Preis für eine Grauwasseranlage ist davon abhängig davon, wie viel Grauwasser die Anlage pro Tag säubern soll. Man rechnet derzeit mit Kosten ab 5.000 €.

Zu den Kosten für die Anlage kommt noch der Einbau sowie die Kosten für Wartung und Betrieb (z. B. Strom, Mikroorganismen) hinzu.

Einsparungen

Abwassergebühr

Den Kosten stehen die Einsparungen beim Abwasser gegenüber. Für Abwässer zahlen die Nutzer eine Abwassergebühr an die Kommune. Durch den Einbau einer Grauwasseranlage sinkt das anfallende Abwasser und die Abwassergebühr verringert sich.

Trinkwassergebühr

Die Kosten für Trinkwasser verringern sich ebenfalls, da ein Teil des benötigten Trinkwassers durch das aufbereitete Grauwasser ersetzt wird.

Amortisation

Es braucht mehrere Jahre bis die Kosten für die Installation für das Grauwasser Recycling durch die Anlage wieder hereingeholt sind. Wie schnell sich eine Anlage amortisiert hängt auch davon ab

  • wie hoch die regionalen Abwassergebühren sind,
  • wie viele Bewohner ein Haus hat und
  • wie sich die Preise für Trinkwasser künftig entwickeln.

Idealerweise wird eine Grauwasser Anlage in einem Mehrfamilienhaus installiert. Hier rechnet sich die Aufbereitungsanlage am schnellsten.

Gibt es für den Einbau einer Grauwasseranlage eine Förderung?

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Blogbeitrags gibt es in Deutschland keine allgemeinen Fördermittel für den Einbau einer privaten Anlage zur Aufbereitung von Grauwasser. In Bremen und Bremerhaven gibt es allerdings seit dem 01.01.2022 eine Förderung von bis zu 5.000 €. Diese Förderung soll noch bis zum 31.12.2023 bestehen.

Eine Förderung der BAFA zur Wärmerückgewinnung aus Grauwasser ist abgelaufen. Es empfiehlt sich bei der jeweiligen Kommune nachzufragen oder auf der offiziellen Förderdatenbank zu recherchieren.

Fazit

Aus wirtschaftlichen Gründen empfiehlt man eine Grauwasseranlage derzeit für Mehrfamilienhäuser oder Einfamilienhäuser mit mehr als vier Bewohnern. Auch gibt es für die Anschaffung und den Einbau zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Blogbeitrags in Deutschland nur in Bremen und Bremerhaven Fördermittel.

Ein viel zu trockener Sommer und sinkende Grundwasserspiegel lassen einen trotzdem nachdenklich werden. Ist es wirklich passend, dass wir Trinkwasser für die Toilettenspülung nutzen? Gerade wenn es doch die Möglichkeit gibt, aufbereitetes Grauwasser zu verwenden?

Da eine spätere Nachrüstung nur mit großem Aufwand möglich ist, ist der Einbau einer Grauwasseranlage für Bauherren sicher eine Überlegung wert.

Hier bloggt Vera Eisenbraun, Online Marketing Fachfrau, Betriebswirtin & Blogverantwortliche hier. Meine Blogthemen sind Architektur und Digitale Medien.

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